Bündnis 90/Die Grünen

veröffentlicht um 08.06.2010, 07:11 von Florian ‎(AG Presse)‎

Bündnis 90/Die Grünen Augsburg erklären sich solidarisch mit dem Bildungsstreik 2010 und unterstützen die Schülerinnen und Schüler und die Studierenden bei ihren Protesten.  

Die Schule zur Ganztagsschule machen  

Ein Schulsystem, das sortiert, statt individuell zu fördern, wird den Kindern nicht gerecht. Schulen sind das Sprungbrett für die Zukunft unserer Kinder. Deshalb wollen wir die Schule verändern. Die Grünen wollen ein System, das leistungsorientiert und sozial gerecht ist. Damit SchülerInnen und LehrerInnen gerne zur Schule gehen. In unserer Schule steht das Kind und seine individuelle Förderung im Mittelpunkt. Es kann sich in einer neunjährigen Schulzeit in einer Gemeinschaft entwickeln. Durch ein flächendeckensdes Angebot an Ganztagsschulen erhalten die Kinder mehr Zeit für Lernen und Leben. 

Der Übertritt nach Klasse Vier macht deutlich, dass sich die Kinder den Vorgaben des Schulsystems anpassen müssen und zwar ungeachtet ihrer individuellen Entwicklung. Anstatt die Gestaltung der Bildungsbiographie an der Entwicklung des einzelnen Kindes festzumachen, wird mit dem Übertrittzeugnis so getan, als ob alle bayerischen Viertklässler in den Fächern Deutsch, Mathematik und Heimat- und Sachunterricht an einem Stichtag gleich weit seien. Dies wird den Kindern nicht gerecht und widerspricht auch den Erkenntnissen der Entwicklungsforschung. Aus entwicklungspsychologischer Sicht stimmt der Übertritt in die weiterführenden Schulen mit keiner spezifischen Entwicklungslage des Kindes überein. Man kann nicht im Alter von neun oder zehn eine sichere Schuleignungsprognose stellen, schließlich sind in dieser Altersstufe die Prozesse der kindlichen Entwicklung noch nicht vollständig abgeschlossen. Eine gelungene Bildungsbiographie kann und darf keine Frage des richtigen "Timings" sein, sondern muss auf die Entwicklung des Kindes abgestellt sein. Wenn Förderung wirken soll, brauchen Kinder mehr Zeit, um ihre Potenziale zu entfalten.

Die Grünen fordern:  

  • individualisierte Förderung in unterschiedlichen Lernsettings mit unterschiedlichen Lernangeboten
  • eine politische Offensive Lehrerbildung und Lehrerfortbildung (Haushaltsschwerpunkt)
  • Ganztagsangebote mit wechselnden Lern-, Erholungs- und Vertiefungsphasen
  • kleine Klassen statt überfüllter Klassenzimmer
  • Aufstockung des Bildungsetats für eine adäquate personelle und finanzielle Ausstattung
 
 

Von der Schule zur Hochschule 

Die Zusammenarbeit zwischen Schule und Hochschule muss verbessert werden mit dem Ziel, mehr bayerische SchülerInnen für ein Hochschulstudium zu interessieren und zu qualifizieren. Ein vordringlicher Ansatzpunkt zur Verringerung der Probleme beim Übergang von der Schule bzw. von einer Berufsausbildung oder Berufstätigkeit zur Hochschule liegt in einer wesentlich verbesserten Ausgestaltung der Studieneingangsphase an den Hochschulen. Durch eine transparente Beschreibung der Voraussetzungen für die jeweiligen Studiengänge, durch verbesserte Beratung bei der Studienwahl und während des ersten Studienjahrs, durch Vor- und Brückenkurse beim Studienanfang sowie durch eine intensive Begleitung in Tutorien, können die Schwierigkeiten der StudienanfängerInnen wesentlich verringert werden. Die Hochschulen in Deutschland müssen es verstärkt als ihre Aufgabe begreifen, durch gezielte Bildungsangebote beim Studienbeginn auf heterogen qualifizierte StudienanfängerInnen so einzugehen, dass sie nach einer Eingangsphase in der Regel hinreichend qualifiziert für das erfolgreiche Absolvieren des weiteren Studiums sind. 

Die Grünen fordern, die Studiengebühren wieder abzuschaffen und die Gebührenfreiheit des Studiums gesetzlich festzuschreiben sowie auf Landesebene ein breites und transparentes Stipendiensystem aufzubauen, das soziale Kriterien berücksichtigt. Wir brauchen außerdem endlich eine deutliche Erhöhungen des Hochschuletats, um eine nachhaltige Hochschulfinanzierung durch das Land sicherzustellen und die über Jahre hinweg angewachsene Unterfinanzierung abzubauen.  

Die Grünen wollen eine weltoffene und demokratische Hochschule, die im internationalen Wettbewerb bestehen bleiben kann und sich der Wissensgesellschaft öffnet. Darum soll derHochschulzugang reformiert werden, um mehr Menschen den Zugang zu einer Hochschule ermöglichen. Die Grünen setzen sich für Bildungsgerechtigkeit ein und lehnen deshalb Studiengebühren in jeder Form ab. Denn der Zugang zu Bildung ist eine entscheidende Zukunftsfrage. Unser Land hängt von den Ideen und der Kompetenz seiner Bürgerinnen und Bürger ab. Darum wollen wir dieHochschulen ausbauen und erneuern. Die  Förderung von Eliten wollen wir auf demokratischen Strukturen stellen, die Auswahlverfahren dafür müssen transparent und dem Prinzip des Gender Mainstreaming verpflichtet sein. Zudem muss die  Frauenförderung endlich Fortschritte machen. Selbstverständlich muss auch die Vereinbarkeit von Kindern mit dem Wissenschaftsbetrieb verbessert werden. Hier besteht ein enormer Nachbesserungsbedarf.

Die Grünen kritisieren die vorgestellten Leitlinien für die Weiterentwicklung des Bologna-Prozesses. Der bayerischeWissenschaftsminister bleibt im Unverbindlichen. Damit sind diese Leitlinien nicht mehr als Kosmetik. Heubisch will den Studierenden angeblich mehr Mitsprache an den Hochschulen einräumen,  hat sich aber klar gegen eine Verfasste Studierendenschaft in Bayern ausgesprochen – wie soll das funktionieren? Miteinander reden ist schön und gut, aber es bleibt so lange eine Farce, so lange die Studentinnen und Studenten kein echtes Mitspracherecht haben. Die Grünen im Bayerischen Landtag touren gerade im Rahmen der Hochschulkampagne "Nur wer mitspielt, kann bestimmen! – Demokratische Hochschulen für Bayern" quer durch Bayern, um gemeinsam mit den StudentInnen starke Mitbestimmungsrechte zu erkämpfen.

Außer einer Verfassten Studierendenschaft fordern die Grünen auch eine Änderung des Hochschulgesetzes zur Weiterentwicklung der Bologna-Reform. Mit kleineren Korrekturen und unverbindlichen Ratschlägen ist es nicht getan, wir brauchen eine umfassende Reform der Bologna-Reform. Dafür muss auch das bayerische Hochschulgesetz geändert werden. Die Hochschulen seien allein nicht in der Lage, die notwendigen Korrekturen umzusetzen. Die Grünen haben hierzu bereits ein umfangreiches Maßnahmenpaket in den Landtag eingebracht.

Die Augsburger Grünen solidarisieren sich mit den streikenden Schülerinnen und Schülern und Studentinnen und Studenten in Bayern. Die ganze Misere der verfehlten Hochschulpolitik wird darin offenbar: Entdemokratisierung, Ökonomisierung und Privatisierung von Bildungskosten haben der Hochschulpolitik in Bayern das Fundament entzogen. Zu den vordringlichsten Problemen gehörten die Unterfinanzierung der Hochschulen, die fehlende demokratische Mitbestimmung und die Bildungsungerechtigkeit. Bildung darf nicht länger vom Status und Einkommen der Eltern abhängen – wir müssen die Privatisierung von Bildung umkehren.  

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